Klassische Homöopathie

Startseite » Klassische Homöopathie

Voraussichtliche Lesedauer: 6 Minuten



Homöopathie Rita Jurgens-KrüssmannDie KLASSISCHE HOMÖOPATHIE

„…Und sie dreht sich doch!“

Galileo Galilei

Klassische Homöopathie – Königsdisziplin unter den alternativen Heilverfahren..

Die Klassische Homöopathie bezeichnet die prozessorientierte Einzelmittel-Homöopathie. Sie hilft bei der konstitutionellen Behandlung chronischer Leiden und ebenso bei akuten Erkrankungen. Die klassische Einzelmittel-Homöopathie hat sich in den vergangenen 200 Jahren seit ihrer Entdeckung durch den Arzt Dr. Samuel Hahnemann (1755-1843),  immer wieder als äußerst hilfreich bewährt.

Ich selbst kam mit Anfang 20, über die beruflicher Zusammenarbeit mit einem antroprosophischen Arzt, erstmalig mit der Klassischen Homöopathie in Berührung. Entgegen meiner anfänglichen Skepsis, war es gerade die Homöopathie, die mir zum tiefen Verständnis der ganzheitlichen Naturgesetzlichkeiten verhalf. Ich begriff durch sie deren Bedeutung sowohl für die Entwicklung des menschlichen Individuums, als auch für Tiere und Pflanzen. Aus der daraus entstandenen Begeisterung entschloss ich mich nach einigen Jahren, mit den Studium der Klassischen Homöopathie zu beginnen. Ein spektakulärer Heilerfolg bei einem im Sterben liegenden Hund überzeugte mich endgültig. Und ich begann als Heilpraktikerin Menschen und Tiere  mit Homöopathie zu behandeln.

Das homöopathische Menschenbild

Die Homöopathie berücksichtigt den ganzen Menschen: Geist – Seele – Leib

Das bedeutet, das Individuum mit seiner charakteristischen, eigenheitlichen Symptomatik steht im Zentrum der Betrachtung. Zur Findung der passenden Arznei werden neben den körperlichen, die seelisch-geistigen, die Gemütsverfassung betreffenden Symptome vorrangig ins Auge gefasst.

So formulierte es Hahnemann nach Jahren akribischer Forschungen:

§ 153 – Organon der Heilkunst:
„Bei dieser Aufsuchung eines homöopathisch, spezifischen Mittels …. ist die Gegeneinanderhaltung der Zeichen der natürliche Krankheit gegen die Symptomenreihe der vorhandenen Arzneien … in Ähnlichkeit entsprechende Kunstkrankheits-Potenz zu finden … sind auffallenden, sonderlichen, ungewöhnlichen und eigenheitlichen Zeichen und Symptome des Krankheitsfalles, besonders und fast einzig fest ins Auge zu fassen. Denn vorzüglich diesen, müssen der sehr ähnlichen, in der Symptomenreihe der gesuchten Arznei entsprechen, wenn sie die passendste zur Heilung sein soll.“

(Organon der Heilkunst 6. Auflage)

In der Homöopathie unserer Tage geht der/die  Homöopathin noch einen Schritt weiter. Das passendste Heilmittel wird umso zielsicherer gefunden, je differenzierter es im Zusammenwirken zwischen Patient und Homöopathen gelingt, eine möglichst tiefe Ebene des Empfindens und inneren Erlebens in Verbindung mit dessen Hauptbeschwerde heraus zu arbeiten.

Der indische Homöopath Dr. Rajan Sankaran ist in dieser Hinsicht zum revolutionärer Vordenker geworden. Dies erklärt auch, dass ein Homöopathikum nur dann in der Lage ist auch tiefe und schwere Pathologien in Richtung Zustandsverbesserung oder gar zur Heilung zu bringen, wenn sich der Ausdruck des inneren Erleben und Empfindens durch alle Wahrnehmungsebenen des Individuums hindurchzieht: In Gestik, Wortwahl, Energie des Ausdrucks und somit die Substanz vom Patienten selbst beschrieben wird, die ihn letztlich zu heilen in der Lage sein wird.

Wirkungsnachweis der Homöopathie

Das Fehlen eines wissenschaftlichen Wirkungsnachweis in der Homöopathie ist immer wieder Stein des Anstoßes.  Aus dem oben angeführten Zitat aus Hahnemanns ORGANON wird deutlich, warum sich der Wirkungsnachweis Homöopathischer Arzneien der Methode einer randomisierten Doppelblindstudio nach heutigen Maßstäben entzieht: der Grund, bzw. das Hindernis ist die unverzichtbare Regel der Individualisierung!

Homöopathische Arzneien lassen sich in keiner wissenschaftlichen, objektiven Testreihe prüfen. Die Betrachtung des individuellen Beschwerdebildes und das damit verbundene subjektive Erleben des Patienten auf der Geistes- und Gemütsebene können einzig und allein die Indizien zur korrekten Arzneimittelwahl liefern; so wie es im § 153 des Organon gefordert wird.

Beispiele für die Individualisierung in der Homöopathie

Angenommen, in einer Familie erkranken drei Kinder nacheinander an einem grippalen Infekt, mit Fieber, Kopf- und Hals-Schmerzen, Schnupfen und allem, was so dazu gehört.

Die Eltern möchten  ihre Kinder ausschließlich mit Homöopathie behandeln, und es wird vermutlich so sein, dass jedes der Kinder unterschiedlich auf den Infekt reagiert, sich anders verhält und deshalb auch unterschiedlichen Arzneien nötig sein werden?

Ein Fall von BELLADONNA?

Das älteste Kind reagiert überwiegend mit pulsierenden Kopfschmerzen und hohem Fieber, klagt dabei über kalte Hände und Füße, die Augen glänzen auffallend und die Pupillen sind dunkel und vergrößert. Das Kind reagiert leicht reizbar und wütend, lässt sich aber mit Argumenten auch wieder beruhigen.

Ein Fall von Pulsatilla

Das mittlere Kind hat verquollende und verklebte Augen, die Nase läuft stark und das Kind ist sehr weinerlich und launisch und friert. Trotzdem will es das Fenster geöffnet haben und hat Verlangen nach frischer Luft, womit es dem Kind besser geht.

Ein Fall von Aconit

Bei dem dritten Kind entwickelt sich der Infekt innerhalb weniger Stunden dramatisch. Das Kind wirkt extrem ängstlich, der Kopf ist heiß, die Augen trocken und juckend es hustet heiser und trocken. Das Kind hat Abneigung gegen helles Licht.

Daraus lässt sich ableiten, dass bei ein und demselben Infekt unterschiedliche Arzneien benötigt werden. Die Individualisierung es Falles ist nötig, um die Beschwerden der Kinder zu lindern. Obwohl es derselbe Erreger ist, zeigt jedes Kind ein ganz individuelles Symptomenbild.

Homöopathika lassen sich daher NICHT oder kaum erfolgreich nach klinischen Diagnosen verschreiben. Dies gilt insbesondere für die Behandlung chronische Leiden. Es gibt keine Homöopathika GEGEN Schnupfen, Hautkrankheiten, Krebs und dgl., sondern nur für den kranken Menschen. Das Arzneimittel-Bild muss dem individuellen Beschwerdebild möglichst ähnlich sein.

Dennoch gibt es für den akute Fälle bewährte Verschreibungen, die dann schnell und sicher auf der körperlichen Ebene helfen.