kennzeichnung laktosefrei bei Lebensmitteln

Kennzeichnung laktosefrei b. Lebensmitteln

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Sinn und Unsinn einer Lebensmittel-Kennzeichnung als „laktosefrei“

Die Kennzeichnung „laktosefrei“  auf Lebensmittelverpackungen begegnen einem beim Einkaufen immer häufiger. Bei näherem Hinsehen wird jedoch klar, dass es sich um einen Hinweis handelt, der häufig auch Produkte betrifft, die ohnehin keine Laktose enthalten!

Die Kennzeichung „laktosefrei“
ein Verkaufs-Trick?

Die Kennzeichnung „laktosefrei“ bei Lebensmitteln ist oftmals ein Verkaufstrick und insofern Etikettenschwindel, weil Lebensmittel mit diesem Label bei vielen Menschen, die entweder Reizdarm-Beschwerden haben oder der Meinung sind, dass laktosefrei“ einfach gesünder sei?

Was sind Laktose und Milchzucker?

Milchzucker und Laktose sind identisch. Wie der Name sagt ist diese Zuckerart nur in Milch von Tier (und Mensch) enthalten. Logischerweise dürften dann auch nur aus Milch hergestellte Lebensmittel tatsächlich Milchzucker enthalten?

Der aus der Milch gewonnene Milchzucker ist jedoch ein billiger Füllstoff und Geschmacksträger für industriell hergestellte Nahrungsmittel. Daher nehmen wir ungewollt zu viel Milchzucker zu uns.

Denn das überwiegende Angebot an Milchprodukten selbst verursacht bei mäßigem Verzehr auch für Personen, die unter einer Laktose-Unverträglichkeit leiden,  keine oder nur geringe Beschwerden.

Wie entsteht Laktose-Intoleranz?

Von Laktose-Intoleranz spricht man, wenn nicht mehr genügend des Verdauungsenzyms Laktase produziert wird. Säuglinge und Kleinkinder können daher wie alle Säugetiere Milchzucker verdauen, solange im Verdauungstrakt dieses Milchzucker spaltende Enzym zur Verfügung steht.

Im Laufe des Älterwerdens nimmt die Laktase-Produktion immer mehr ab und der Verdauungstrakt reagiert empfindlich, wenn zu viel Milchzucker mit der Nahrung aufgenommen wird.

Wer leidet unter Laktose-Intoleranz

Das Erstaunliche dabei ist, dass Mittel- und Nord-Europäer aufgrund eines „Gen-Defektes“ überraschend lang die Laktase-Produktion aufrecht erhalten können, wogegen ca. 80% der Weltbevölkerung einen Laktase-Mangel aufweisen.

Zitat Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Laktoseintoleranz

„Weltweit ist die Laktoseintoleranz sehr verbreitet, wobei es je nach Region und Bevölkerung deutliche Unterschiede gibt. Etwa 5 bis 15 % der Europäer vertragen keinen Milchzucker.[1] In Deutschland sind es laut Bundeszentrum für Ernährung 15 %.[2] Am seltensten ist die Laktoseintoleranz in Nordeuropa. In Afrika oder Ostasien sind dagegen 65 bis über 90 % der Erwachsenen betroffen.[1]

Der als Lactasepersistenz bezeichnete Evolutionsvorteil der Nordeuropäer entstand durch eine Genmutation vor ungefähr 7000 Jahren,[3][4] nach anderen Erkenntnissen sogar erst während der letzten 5000 Jahre im Zuge der wichtiger werdenden Milchviehhaltung.[5]“

Hilfe bei Laktose-Intoleranz

Sollten Sie dennoch zur Zeit erhebliche Probleme mit der Verdauung von Milchzucker haben, finden sie hier zur Orientierung eine Laktose-Inhalts-Tabelle zum Download als PDF.

Fakt ist: Milchzucker per se hat ab einer gewissen Menge einen abführenden Effekt und regt die Darmtätigkeit an. Dabei kommt es zu mehr oder wenig stark ausgeprägten Symptomen wie Bauchschmerzen, Blähungen und Durchfällen kurz nach dem Genuss Laktose haltiger Produkte.

Der natürliche Gehalt an Milchzucker in Milchprodukten ist m.E. eher selten der Grund für die geklagten Beschwerden, sondern ein Zusammenwirken mehrerer Störungen im Verdauungstrakt, führen zu den Beschwerdebildern, die die Patienten in meine Sprechstunde führen.

Somit handelt es sich um eine relative und durchaus vorübergehende Störung der Milchzucker-Verdauung, wenn man die Ursache der zugrunde liegenden Störung im Verdauungstrakt behandelt. Sie auch: „Leide ich unter Laktose-Intoleranz?“

Gefährlicher ist der „versteckte“ Milchzucker in Fertigprodukten

Allen voran: Medikamente, die Laktose als Trägerstoff verwenden, wie z.B.:

  • Schüsslersalze als Tabletten
  • Generell homöopathische Medikamente in Tablettenform
  • Nahrungsergänzungen, rezeptpflichtige Medikamente, etc.

Milchzucker wirkt bei Knäckebrot, Keksen, Kuchen und Backmischungen als Aromaträger, in Fertig- und Tiefkühlgerichten als Bindemittel. In Schokolade ist Laktose ein Geschmacksstoff und sogar in Fleisch- und Wurstwaren wird Milchzucker verarbeitet.

Instant-Kaffee-Getränkepulver (Capuccino, Latte macciato, etc.), Kakaogetränke, fertige Salatsoßen können heftige Darmprobleme verursachen.

Die Industrie nutzt Laktose vielseitig, was den Betroffenen mit Laktoseintoleranz das Einkaufen zusätzlich erschwert.

Eine hilfreiche Webseite zum Thema möchte ich empfehlen: „Lifeline, das Gesundheitsportal“.

Laktose-Intoleranz und Reizdarm

Einige meiner Patienten meinen, dass Milchzucker die Ursache für ihre Reizdarm-Beschwerden sei. Aber dem möchte ich widersprechen. Zusammen mit den Schwierigkeiten, möglicherweise Milchzucker nicht gut zu vertragen, treten meist auch Reaktionen auf weitere Nahrungsbestandteile, wie Fruktose und Histamin etc. auf, die dann unter der Diagnose „Reizdarm“ abgetan werden. Aber die Ursache des Problems ist eine andere:

Ich mache immer wieder die Erfahrung, dass die Laktose-Intoleranz nicht die „Krankheit“ an sich ist, sondern eine FOLGE eines durcheinander geratenen Darmmilieus, deren Ursachen vielfältig sind: An dieser Stelle muss die Behandlung auf der Grundlage einer gezielten Darmsanierung ansetzen, Diät allein erzeugt nur unnötigen Stress und führt nicht zur Heilung des Problems.